Musiknachrichten aus meiner Sicht - Ansichten und Ereignisse

Ereignsisse, Rezessionen, Einwürfe und Standpunkte rund um mein Thema Musik

Januar 2019:

 

Freygang oder besser gesagt die Freygang Band hat ihr Ende verkündet.

 

Ich habe es vor paar Tagen erfahren. Der Entschluss an die Öffentlichkeit zu informieren muss wohl um den Jahreswechsel geschehen sein. Ich möchte da paar Worte verlieren.

 

Freygang Konziberichte tauchen hier und in anderen Foren eher selten auf. Das hat sicherlich Gründe und ich werde hier meine ganz persönliche Meinung sagen.

 

Die Band, die es seit über 40Jahren gibt, hat immer ein Leben neben der allgemeinen Musikszene gelebt. Das war zu DDR Zeiten so und auch im vereinigten Deutschland. Selbst in der Blueserszene waren sie nicht immer anerkannt oder besser gesagt sehr Eigen. Das hat ihnen nicht nur Freunde beschert. Kaum eine andere Band hatte in meinen Augen so viele Höhen, Tiefen und war so wechselhaft in meiner Wahrnehmung. Auch sehr viele Besetzungswechsel prägten die Band. Eine Band mit Idealen, eine Band mit Exzessen.

 

Freygang das sind auch 30Jahre mit ihren Käptn Andre Greiner – Pohl und 10Jahre ohne den Frontmann. Er hat die Gruppe geprägt und sein Verlust war eigentlich das Ende. Trotzdem hat es die Band noch 10 Jahre geschafft. Brian Bosse war sicher der entscheidende Faktor.

 

Leider hat sich die Fangemeinde auch in den letzten Jahren, Jahrzehnten gelichtet. So geht es vielen und die Musikszene wird angepasster. Freygang stand für Aufmüpfigkeit und fuhr ihre eigene Schiene. Somit war sie auch eine Band, die auch Feinde hatte und immer ihren eigenen Kampf gegen die Allgemeinheit führte. Sie hatten ihre Meinung, waren politisch und ließen sich trotzdem nicht in eine Ecke schieben. Sie wurden in der DDR mit Entzug der Spielerlaubnis bestraft und in der BRD mit Ignoranz.

 

Musikalisch gesehen waren sie sicher nicht die Helden der Rockmusik und des Blues. Das muss man so sehen. Trotz alledem hatten sie eine große Reportware in ihren Jahren. Und sie hatten es geschafft viele CD zu produzieren. Auch das haben einige Bluesbands nicht hingekriegt. Zusätzlich haben sie auch Auslandstouren gemacht, Spendenaktionen ins Leben gerufen und Open Airs organisiert.

 

Freygang lebte von der Untergrundszene und hat so manche Jugendkultur geprägt. Andre Greiner Pol war der Anschieber und ein Musiker mit Leib und Seele bis Ende 2008. Mit seinen Tod ging ein Stück Freygang verloren und die Zeiten änderten sich stetig in den letzten 10,20 Jahren. Die Kunden- oder Bluesszene, war Gegenströmung und eine besondere Kulturerscheinung. Freygang hat sie mit bestimmt.

 

Jetzt ist die Zeit vorbei. Ich verbinde mit Freygang lustige Anektoden, schöne Konzerte, schlechte Konzerte und sehe sie als ein Teil der Musikgeschichte in unserem Ossiland. Im Westen dagegen …tote Hose. Leider habe ich sie, auch altersbedingt, erst nach der Wende kennen gelernt.

 

Ich werde versuchen noch ein Konzert zu besuchen und empfehle die Freygangbücher. Und vor allen, den „Bluessommer“ von Kay Lutter mit Parallelen zur Band. Er war selbst Mitglied der Band. In Oettersdorf Juli 2019 soll dann beim Open Air Schluß sein...Danke

 

Blues News veröffentlicht in seiner Herbstausgabe 2019: Live Bericht von Priessnitz OA

Bruce Springsteen "Western Stars" CD+DVD Rezession von mir am 31.10.2020

Obwohl das Bruce Springsteen Album „Western Stars“ bereits eineinhalb Jahre existiert, möchte ich hierzu einige Worte verlieren.
Normalerweise ist ein Album noch nicht mal richtig auf dem Markt angekommen, da gibt’s es aus meiner Sicht bereits viele, meist sehr vage Rezessionen, so auch damals bei diesem Werk.
Aktuell hat der „Boss“ gerade sein neuestes Album „Letter to You“ veröffentlicht und die ersten Reaktionen sind positiv. Der alte Springsteen, wie man ihn kennt, wird gefeiert.
Gut, ich werde mir das Ding auch reinziehen.

Sein Vorwerk aber war „Western Stars“ - auch Springsteen, aber ein etwas anderer Bruce.
Ich denke, es wurde eines seiner besten Werke. Er hat neue musikalische Wege bestritten, viel persönlicher als man denken mag. Ich als Fan vom Boss und des Western - Feelings habe diese Scheibe wie auch die DVD lieben gelernt und in mein Herz geschlossen. Die CD und DVD unterscheiden sich etwas in den Titeln, doch der Kern sowie ein Großteil der Songs wie auch der Sound sind in meinen Augen einfach hervorragend.

„Western Stars“ ist für mich ein sehr emotionales Werk mit opulenter Orchestermusik,herrlich sanften Streichern und Bläsern, das dem Country-Pop eine besondere Note verleiht.
Der Rockstar Springsteen lässt hier mal harte Riffs aus, wirkt nachdenklicher und hat die
Songs in einen sehr melodiösen Rahmen gepackt. Ich denke, es war längst an der Zeit, dass Bruce dieses Album veröffentlichte und sich von einer anderen Seite zeigte.
Diesen Weg ist auch bereits manch anderer Musikstar gegangen, wie z.B Mark Knopfler, Cindy Lauper, um hier nur zwei zu nennen.

13! Songs enthält die Scheibe..., jedes Lied ist anders und doch passen alle gut zusammen. Man könnte fast meinen - eine Konzept LP. Bei jedem neuen Hören ist mir das Teil vertrauter und noch lieber geworden, es macht einfach Spaß, das Album zu hören. Nach mehr als einem Jahr muss ich ganz klar feststellen, die Songs nutzen sich nicht ab und es ist ein zeitloses Werk, was ganz sicher dauerhaft seine Fans finden wird.
Im Laufe der Zeit kristallisieren sich für mich natürlich auch ein paar Favoriten heraus,dennoch gibt es keinen Ausfall auf dieser Scheibe.
„Western Stars“ ist ein würdiger Titelsong und bringt eigentlich die ganze Palette unter einen Hut. Meine Favoriten sind jedoch das orchestrale “Sundown“ mit 1A Streichern und dem klasse Backgroundgesang, das romantische „Drive Fast“ oder auch das eher lustige, unbeschwerte „Sleepy Joes Cafe“ mit Akkordeon..., nicht zuletzt auch das freudig-opulente „There Goes My Miracle“. "Tuscon Train" und "Wayefarer" sind auch klasse Werke,
die eine besondere, unverwechselbare Note haben.
Auch die ganz leisen, ruhigen Werke, bei denen das Orchester in den Hintergrund
rückt, haben ihren Reiz. Eigentlich sollte ich kein Werk hervorheben, alle sind Top, haben das Hören und Genießen verdient.
„Western Stars“ ist für mich eine nachdenkliche Liebeserklärung an den Westen der USA, an das Leben auf dem Land und an die Westernmusik.

Ich denke, hier kommt eine besondere Seite von Bruce Springsteen neu zur Geltung und ich kann auch die DVD besonders als Konzert empfehlen. Hier werden die Songs mit Orchester in einer urigen, großen Scheune im warmen Licht und Kneipenatmosphäre vorgetragen.
Das passt und zieht einen voll in den Bann..., für mich ein überzeugendes Werk vom Meister in höchster Klangqualität mit einer tollen Stimme und rundherum gelungen inszeniert.

Schade, dass der etwas andere Springsteen im Radio kaum oder nie zu hören ist, stattdessen aber 20x „Born in the USA“ läuft. Schade finde ich auch, dass Springsteen zunehmend von irgendwelchen Musikredakteuren politisch instrumentalisiert wird und diese „Schmierfinken“ im Vorfeld ziemlichen Unfug schreiben können.

„Western Stars“ war für mich die beste CD aus 2019 und hat mich wieder einmal davon
überzeugt, dass der „Boss“ ein ganz Großer ist. Seine vielfältige, nie alternde Musik, sein Auftreten, seine Konzerte und auch seine Videos machen ihn zu einem Musiker der Extraklasse.